PRUTZ (10.04.2018). Extreme Schneemassen, Lawinengefahr und hartnäckige geologische Probleme: Die GKI-Verantwortlichen ziehen eine durchwachsene Winterbilanz. „Die Bedingungen waren in jeder Hinsicht extrem. Wir sind zeitlich und kostenseitig im Verzug. Seit Ostern wird jedoch wieder auf Hochtouren gearbeitet“, erklärt GKI-Geschäftsführer Johann Herdina.

In der Endphase befinden sich die Arbeiten am neuen Krafthaus zwischen Prutz und Ried. Zuletzt erfolgte die Anlieferung der beiden jeweils 90 Tonnen schweren Trafos. Die Maschinensätze sind fertig eingebaut. Die beiden Turbinen werden gemeinsam über 400 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 90.000 Haushalten. Aktuell wurde bereits mit den Arbeiten zur Geländegestaltung im Krafthausbereich begonnen.

Weit herausfordernder gestalten sich unterdessen die Vortriebsarbeiten für den zukünftigen, insgesamt 21,4 km langen, Triebwasserweg. „Wir stoßen immer wieder auf geologische Störzonen, die uns im Zeitplan zurückwerfen. Trotzdem sind bereits 42 Prozent des Triebwasserweges hergestellt“, informiert Projektleiter Franz Gappmaier. Die Tunnelvortriebsmaschine Nord hat bereits 4,4 km von insgesamt 9,4 km hinter sich. Der Vortriebsstand im Süden liegt aktuell bei 4,7 von 12 km.

Noch Stillstand herrscht bei der Wehranlage in Ovella. Dort musste der Bau Ende Jänner aufgrund der extremen Schneemengen vorübergehend eingestellt werden. Anfang Mai soll die Baustelle wieder geöffnet werden. 39 der insgesamt 43 Wehrblöcke der Stauanlage sind betoniert, auch mit den Panzerungsarbeiten wurde bereits begonnen. Der gesamte Betonbau der Wehranlage mit insgesamt 11.000 m³ verbautem Beton soll im August fertig werden, das ist vier Monate später als geplant.

Die Uferbefestigung und Anhebung eines Teilbereiches der Kantonstraße im Bereich des Stauraums sind unterdessen abgeschlossen. Die Arbeiten zur Herstellung des Dotierkraftwerkes mit Fischwanderhilfe und Triebwassereinlauf starten nach Umleitung des Inn, voraussichtlich im September.

Grenzüberschreitend zum Nutzen der Region
Mit dem Gemeinschaftskraftwerk Inn entsteht im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet seit Herbst 2014 das derzeit größte, in Bau befindliche Ausleitungskraftwerk im Alpenraum. Das großteils unterirdisch gebaute Kraftwerk erstreckt sich dabei vom Ortsteil Martina in der Schweizer Gemeinde Valsot über das Gebiet von sieben Gemeinden im Oberen Gericht in Tirol bis zum Krafthaus in Prutz/Ried. Das Gemeinschaftskraftwerk besteht im Wesentlichen aus drei Elementen: Stauraum und Wehranlage, Triebwasserstollen sowie Krafthaus. Die Inbetriebnahme ist für 2020 vorgesehen.