PRUTZ (27.06.2019). Die außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse im heurigen Frühjahr lassen die Fertigstellung des Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) im Oberen Gericht erneut nach hinten rücken. „Wir müssen mittlerweile davon ausgehen, erst 2023 das erste Vollbetriebsjahr zu fahren. Damit verschiebt sich die Fertigstellung um ein weiteres Jahr. Der Kostenrahmen von 604,9 Mio. Euro bleibt, bei der letzten Kostenanpassung wurde bereits eine entsprechende Risikoreserve eingeplant“, erklärt dazu GKI-Geschäftsführer Johann Herdina.

Vor allem die Bauarbeiten an der Wehranlage sowie dem Dotierkraftwerk in Ovella konnten in den letzten Monaten nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden. „Von den Schneemassen mit drohender Lawinengefahr über Steinschläge bis zum Hochwasser im Juni, das die Baustelle beinahe überschwemmt hätte, bleibt dieses Großprojekt eine Herausforderung“, so Herdina.

Wesentlich schneller kommt indes die zweite Tunnelbohrmaschine voran. Nach dem Durchstich auf der Nordseite steht die Südmaschine „Magliadrun“ derzeit bei ca. 338 Metern der insgesamt zwölf Kilometer langen Südröhre. Vor Ende Juli sollen die Vortriebsarbeiten abgeschlossen sein. Auch das Krafthaus in Prutz ist seit Kurzem betriebsbereit. Auf Schweizer Seite wurde der Hochwasserschutzdamm fertiggestellt und hat bereits seine Bewährungsprobe beim letzten Hochwasser gemeistert.

Die Arbeiten beim Dotierkraftwerk in Ovella können unterdessen frühestens im Spät-herbst fortgesetzt werden. Derzeit finden im betroffenen Bereich umfangreiche Sicherungsmaßnahmen im darüberliegenden Hang statt. „Die Sicherheit der Bauarbeiter auf der Baustelle hat oberste Priorität“, steht für den GKI-Geschäftsführer fest. „Tatsache ist, dass wir als Errichter und Betreiber von Wasserkraftprojekten in den Tiroler Bergen mit den verbundenen und offensichtlich zunehmenden Naturgefahren leben müssen. Unser Gefahrenplanmanagement wird diesbezüglich laufend aktualisiert und weiterentwickelt. Auch die Investitionen in die Sicherheit der Anlagen steigen stetig.“

Mit dem Gemeinschaftskraftwerk Inn entsteht das derzeit größte Laufwasserkraftwerk des Alpenraums. Mit einer installierten Leistung von 89 Megawatt werden nach Fertigstellung der Kraftwerksanlage jährlich rund 440 Gigawattstunden Strom aus Wasserkraft für die Region erzeugt.

 

Die Steinschlagereignisse entlang der Kantonstrasse bei Ovella führten erneut zu Bauverzögerungen