Pfunds, 30. August 2017: An der Grenze zwischen der Schweiz und Österreich entsteht seit Herbst 2014 mit dem Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) das derzeit größte, in Bau befindliche Ausleitungskraftwerk im Alpenraum. Die Inbetriebsetzung ist für Anfang des Jahres 2020 vorgesehen. Die Gesamtinvestitionssumme von TIWAG, Engadiner Kraftwerke und Verbund beträgt 534,5 Mio. Euro. Die Arbeiten auf der Kraftwerksbaustelle des Gemeinschaftskraftwerk Inn laufen auf Hochtouren.

Inbetriebnahme Anfang 2020

Vor wenigen Wochen wurde bereits mit der Installation der Generatoren im neuen Krafthaus bei Prutz begonnen. Die beiden Maschinen werden nach Fertigstellung des Kraftwerks gemeinsam über 400 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr erzeugen. GKI-Geschäftsführer Johann Herdina: „Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 90.000 Haushalten. Das GKI trägt damit zu einer sicheren und umweltfreundlichen Stromversorgung in Österreich und der Schweiz bei.“

Das großteils unterirdisch gebaute Kraftwerk erstreckt sich vom Ortsteil Martina in der Schweizer Gemeinde Valsot über das Gebiet von sieben Gemeinden im Oberen Gericht in Tirol bis zum Krafthaus in Prutz/Ried. Das Gemeinschaftskraftwerk besteht im Wesentlichen aus drei Elementen: Stauraum und Wehranlage, Triebwasserstollen sowie Krafthaus.

Im Grenzgebiet zwischen Martina und Nauders entsteht die Wehranlage mit einem 15 Meter hohen Wehr zur Wasserfassung. Vom gestauten Wasser werden bis zu   75 m³/s in den 22,8 km langen Triebwasserstollen geleitet. Dieser mündet in den Druckschacht, der zu den Turbinen im Krafthaus führt. Dort erzeugen zwei leistungsstarke Maschinensätze, bestehend aus je einer Francis-Turbine und einem Generator, umweltfreundlichen Strom. Das abgearbeitete Wasser fließt anschließend durch einen unterirdischen Kanal wieder zurück in den Inn.

Neues Krafthaus fertiggestellt

Die Betonarbeiten für das neue Krafthaus sind bereits abgeschlossen. Unterdessen laufen die Vortriebsarbeiten für den zukünftigen Triebwasserweg auf vollen Touren. Nach Bewältigung einer geologischen Störzone legen die beiden Tunnelbohrmaschinen derzeit täglich bis zu 40 Meter zurück. Insgesamt sind bereits rund 5,5 Kilometer ausgebrochen. „Wir fahren mit beiden Maschinen gleichzeitig einen geregelten Vortrieb“, informiert Projektleiter Klaus Schretter.

Im Bereich des Krafthauses wurden unterdessen die Innenausbauarbeiten im Gegenvortrieb des Triebwasserstollens bis zum Umgehungsstollen fertiggestellt. Auch die Injektionsarbeiten im Wasserschlossschacht sind abgeschlossen. Zuletzt wurde mit der Befüllung des Schrägschachtes für die Druckprobe begonnen. Beim 300 Meter langen Unterwasserkanal vom Krafthaus unter der Reschenbundesstraße zum Bauwerk für die Wasserrückgabe in den Inn konnte mittlerweile die Unterwasserbetonsohle mit einer Betonkubatur von 1.800 m³ (größte Einzelbetonkubatur des Gesamtprojektes) eingebaut werden.

Die Wehranlage staut den Inn auf einer Länge von ca. 2,6 km im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet. Die Errichtung erfolgt in Nassbauweise. Das bedeutet, dass der Inn je nach Bauphase kleinräumig umgeleitet wird, um „trockene“ Flächen für die Bauarbeiten zu schaffen. Anfang April konnte die Baugrubenumschließung fertiggestellt und mit den Schalungs- und Betonarbeiten begonnen werden. Für den gesamten Betonbau der Wehranlage (rd. 11.000 m³) werden ca. ein Jahr Bauzeit veranschlagt.

Die Arbeiten zur Herstellung des Dotierkraftwerkes mit Fischwanderhilfe und Triebwassereinlauf beginnen nach Umleitung des Inn im Mai/Juni 2018. Auf Schweizer Seite wurden unterdessen die Arbeiten für die Dammschüttung und Ufersicherung mit Wasserbausteinen großteils fertiggestellt, der Einbau eines Dichtschirmes ist noch im Gange. Zusätzlich müssen begleitende Straßenarbeiten durchgeführt werden, unter anderem wird der bestehende Radweg verbreitert sowie die Kantonstraße angehoben.

„Insgesamt spürt man auf der Großbaustelle einen ordentlichen Zug. Die Mannschaften sind hoch motiviert und ziehen an einem Strang. Insofern sind wir auch zuversichtlich, Anfang 2020 mit unserem neuen Kraftwerk in Betrieb gehen zu können“, zieht GKI-Geschäftsführer Herdina eine zufriedene Zwischenbilanz.